Isabella Archan – Marie spiegelt sich

Isabella Archan
Marie spiegelt sich

Schlag auf Schlag. Dröhnen auf Dröhnen. Eine kleine Ewigkeit. Dann langsam wie die einsetzende Ebbe zog sich das Dröhnen zurück, rückte in den Hintergrund, ließ dem Erwachen Raum. Was war passiert? Ihr Hirn noch breiig, ihre Erinnerung schwach. Dunkelheit. Zwergenbude. Flucht. Die Tür. Die Gestalt. Ein Monster.
Ihr Körper krümmte sich, quetschte sich zusammen, ihre rechte Seite scharrte über einen harten Boden, wieder wurde Haut unter ihrer Kleidung aufgerissen. Sie zog die Arme über den Kopf. »Hilfe!«
Ihr Schrei verebbte. Fiel in ein Nichts.
Wimmern. Lange Zeit.

Winter in Köln: Marie ist dreizehn, Marie liebt ihren Stoffbären und Marie schreibt gerne. Sie erwacht in einem kalten Raum, dessen einziges Fenster zugemauert ist. Ihr Aufbäumen, ihr Widerstand, ihre Fluchtversuche scheitern und schließlich bleiben nur Durst und Kälte und Angst.

Maries Schule in Köln-Brück ist der letzte Ort, an dem sie gesehen wurde. Die Kripo Köln sucht fieberhaft, die Mutter verzweifelt und Willa Stark muss tief graben, um die Hoffnung am Leben zu halten.
Doch auch die Zeit der jungen Grazer Polizistin läuft ab und als die Suche nach Marie scheitert, sich alte wie neue Spuren im Schnee verlieren, helfen nur noch Mut und Waghalsigkeit.