Lilo Beil - Vielleicht auch träumen

Lilo Beil
Vielleicht auch träumen

»Das Kind oder besser die Kindpuppe aus dem späteren Biedermeier schien zu weinen, denn um die Augen herum war die Pastellkreide etwas verlaufen, vielleicht durch einen Wasserschaden. Ab und zu brachte Bernhard solch ›unvollkommene‹, schadhafte Bilder von Auktionen, denn die Kunstlehrerin Charlotte erprobte sich gerne am Restaurieren defekter Kunstwerke. Dieses Bildnis jedoch wollte Charlotte nicht restaurieren. Es erschien ihr geradezu symbolhaft die tragischen Umstände zu unterstreichen, die es in Charlottes Haus geführt hat.
Ein Bildnis, das ein Eigenleben führt, dachte Charlotte. Ein wenig wie bei Oscar Wilde. Das Gemälde, das hässlicher und älter wird mit jeder weiteren Untat des Dargestellten, während dieser seine Schönheit und seine ewige Jugend behält.
›Lass die noch einmal umarmen.‹ Diese letzten Worte Bernhards klangen in ihren Ohren nach. ›Noch einmal.‹ Wie grotesk im Nachhinein. Als habe er geahnt, dass da ein Mann dabei war, seinen Selbstmord zu planen und dabei nicht nur sich, sondern auch andere mit in den Tod zu reißen.«

Entsetzt, aber nicht wirklich überrascht, stößt die pensionierte Lehrerin Charlotte Rapp auf die Todesanzeige einer ehemaligen Schülerin. Sie erinnert sich an die sensible, meist depressive Cornelia, die eine große Leidenschaft für Shakespeare hegte. Eine Faszination, die ihr während einer Kursfahrt nach England beinah zum Verhängnis wurde.
 Bei der Beerdigung trifft Charlotte auf die Schulclique der jungen Frau. Auch Kommissar Guldner gehört zur Trauergesellschaft, allerdings in dienstlicher Angelegenheit: Er ermittelt zur Todesursache, stellt die Ermittlungen aber schnell ein. Doch als zwei weitere Leichen gefunden werden, wird der Fall neu aufgerollt.
Mit ihrem neuesten Krimi, der zugleich eine Hommage an Shakespeare und die englische Literatur ist, stellt Lilo Beil ein weiteres Mal ihr Können und ihr schriftstellerisches Feingefühl unter Beweis und erzählt eine fesselnde und dramatische Geschichte.