Die Literaturredakteurin des Saarländischen Rundfunks Tilla Fuchs bittet namhafte AutorInnen um eine Rede an die AbiturientInnen. Sie setzt damit die von Ralf Schock im Jahr 1999 begonnene Reihe fort. Mit Unterstützung des Senders, des Kultusministeriums und der Union Stiftung konnten in der Vergangenheit u.a. Martin Mosebach, Jenny Erpenbeck, Juli Zeh, Raoul Schrott und Büchner-Preisträger Jan Wagner gewonnen werden. In diesem Jahr wird Clemens Meyer

zu den AbiturientInnen sprechen. Im Jahr 2008 erhielt er den Preis der Leipziger Buchmesse, 2015 hatte er die Frankfurter Poetik-Dozentur inne.

»Der grüne Bus hatte runde Fenster, die wie Bullaugen aussahen. Und hinter den runden Fenstern dieses Gefangenenschiffes sah ich Gesichter, junge Menschen, so wie ich, der sie von einem vergitterten Fenster aus beobachtete. Ich sah Hände, die das Glas der Bullaugen berührten, legte meine Hände auf die Gitter an meiner Scheibe. Und ich dachte, was wohl ihr Weg gewesen war, der sie in diesen Bus geführt hatte, ob sie, so wie ich, an eine Utopie glaubten, ich glaubte an die Literatur, an meine Insel, und ich fragte mich, ob ihnen die Literatur vielleicht geholfen hätte, als Lehrerin in Sachen Empathie, wir finden doch alle Fragen, die uns quälen, in den Büchern, na ja, fast alle.«

 

 

ISBN 978-3956021909
56 Seiten, broschiert
9 Euro
Juni 2019 

 


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