Der Schriftsteller Anders Nieheim ist nach vierzig Jahren aus Berlin in seine saarländische Heimat zurückgekehrt. Nach der Ankunft versucht er, seinen Alltag neu einzurichten. Er besucht nach Jahren wieder Sankt Wendel und Saarbrücken. An die Stelle der Erinnerung tritt gleich­berechtigt eine fremde Wirklichkeit, die auch von seinen Träumen bedroht wird.

 

 

In einer Zeit, in der um den Begriff »Heimat« gerungen wird, stellt Hans Therre die großen Fragen: Sind die Menschen, die wir kennen und kannten, Heimat? Die Orte, die untrennbar verwachsen sind mit unseren Geschichten? Ist sie geographisch gebunden oder eher ein Gefühl, das wir in uns tragen, wohin uns das Leben auch treibt? Sprachgewaltig und emotional erkundet »Elsterbach« durch die Augen eines Heimkehrers nicht nur die Seele eines Landes, sondern lässt die Leser den Weg von Anders Nieheim mitgehen: Wir erobern uns die Heimat nicht, sie schlägt ihre Wurzeln in uns.

 

Die Lichter und Geräusche des Dorfes sind spärlich geworden, doch sehe ich hin und wieder ein fernes, zartes Wetterleuchten am südwestlichen Himmel. Die Nachtlandschaft, die sich dann sekundenlang offenbart, erinnert mich an die vor vielen Jahren geträumte Landschaft, die Solvejg in ihrem Ölgemälde wunderbar ahnungsvoll nachempfunden hat. Eine Endzeitstimmung leuchtet für Augenblicke auf und schickt die leise Ahnung einer Ruhe vor (oder nach) dem Sturm.
Hat Solvejg, in einem kleinen Dorf bei Hamburg an der dort breit vorbeiströmenden, Meeresbrisen und Schiffe aus aller Welt mit sich bringenden Elbe geboren und in den letzten dreißig Jahren ihres Lebens zur Gefährtin meines Zigeunerlebens geworden, nun in der Elsterbacher Erde eine letzte irdische Heimat gefunden? Hörst du mich, mein Herz, sag es mir, denn ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass der Kirchhof von Elsterbach, in der letzten und obersten Reihe, der Ort ist, wohin Menschen kommen werden, die dich liebten und weiter lieben werden. Sie werden dir in allen Jahreszeiten Blumen bringen und ihr Herz öffnen für ihre Erinnerungen an dich, gewiss auch, um zu beten. Und ich weiß, dass du in meinem Herzen eine immerwährende Heimat hast. Es ist eine große, vielleicht sogar grenzenlose, unendliche Heimat, denn mein Herz ist ja nicht nur ein Organ, das in meiner Brust schlägt, sondern die Landschaft der Welt.

 

ISBN 978-3-95602-221-0
388 Seiten, Premium-Taschenbuch
20,00 €

 


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